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SIND SAISONALE ANOMALIEN REAL? EIN NEUNZIGJÄHRIGE PERSPEKTIVE

„Are Seasonal Anomalies Real? A Ninety-Year Perspective.“ (1988) von Josef Lakonishok, University of Illinois und Seymour Smidt, Cornell University.

Diese Studie ist schon mehr als 30 Jahre alt, aber zeigt eindrucksvoll, wie lange bestimmte saisonale Effekte bereits bekannt sind und sich in den Daten nachweisen lassen. Die Forscher untersuchen die damals längstmögliche verfügbare Historie des Dow Jones auf die Existenz dauerhafter saisonaler Muster. Konkret werden rund 90 Jahre an Tagesschlusskursen betrachtet, vom ersten Handelstag des Index am 4. Januar 1897 bis zum 11. Juni 1986. Dabei achten die Forscher besonders darauf, ob einzelne Muster im Zeitablauf persistent sind, also in allen oder zumindest den meisten der zehn definierten Subperioden nachweisbar sind. Da nur der Dow Jones und damit Large-Cap-Aktien betrachtet werden, können bestimmte saisonale Muster wie der Januareffekt bei Small Caps nicht untersucht werden. Zudem wird darauf hingewiesen, dass der Dow Jones keine Dividenden berücksichtigt. Den Autoren zufolge hat dies jedoch keinen Einfluss auf die Ergebnisse zu den saisonalen Effekten.

MONATLICHEN MUSTERN

Ein großer Teil der Untersuchungen widmet sich monatlichen Mustern. Als erstes wird der heute kaum noch bekannte Halbmonatseffekt untersucht, für den die Renditen der ersten mit denen der zweiten Monatshälfte verglichen werden. Hier finden die Forscher etwas höhere Renditen in der ersten Monatshälfte, die jedoch in keiner der Subperioden statistisch signifikant sind. Allerdings weist die zweite Monatshälfte im Dezember eine auffällig hohe mittlere Rendite von 1,54 Prozent auf, die über alle Subperioden persistent ist. Die Autoren führen dies auf das klassische Window Dressing zum Jahresende zurück. Konkret beginnt die Phase hoher Renditen im Dezember am letzten Handelstag vor Weihnachten und hält für eine Woche bis zum Jahresende an.

STATISTISCH HOCHSIGNIFIKANT

Als nächstes werden die Renditen um den Monatswechsel (Turn of the Month) betrachtet. Hier weisen die Autoren einen starken saisonalen Effekt nach, der sich über die meisten Subperioden zeigt. Besonders hoch sind demnach die Renditen vom letzten Handelstag des alten bis zum dritten Handelstag des neuen Monats. Kumuliert über diese vier Tage betragen sie im Mittel weit überdurchschnittliche 0,47 Prozent und sind statistisch hochsignifikant. Darüber hinaus liegt diese 4-Tages-Rendite im betrachteten Zeitraum sogar über der durchschnittlichen Rendite eines ganzen Monats. Daraus folgt, dass die Renditen außerhalb dieser vier Handelstage im Mittel sogar negativ waren.

WOCHENENDEFFEKT

Eine weitere Untersuchung der Forscher widmet sich dem Wochenendeffekt. Hier besteht die Tendenz zu positiven Renditen am letzten Handelstag der Woche (Freitag, aber vor 1952 auch Samstag) sowie zu negativen Renditen am Montag. Im ersten Schritt weisen die Autoren anhand statistischer Tests sowohl für den Gesamtzeitraum als auch die Subperioden nach, dass die Renditen nicht an allen Handelstagen der Woche gleich sind. Anschließend untersuchen sie das besonders auffällige Muster, dass die mittleren Montagsrenditen in allen Subperioden negativ sind. Dieser Effekt erweist sich für den Gesamtzeitraum sowie einige Subperioden als statistisch signifikant.

FEIERTAGSEFFEKT

Weiterhin widmet sich die Studie dem Feiertagseffekt. Basierend auf dem bereits beschriebenen Wochenendeffekt ist zu vermuten, dass sich eine ähnliche Anomalie auch bei anderen längeren Handelspausen – wie es an Feiertagen der Fall ist – zeigt. Tatsächlich liegt die mittlere Rendite vor einem Feiertag den Autoren zufolge bei 0,22 Prozent und fällt damit weitaus höher aus als vor einem Wochenende. Umgekehrt ist die Durchschnittsrendite nach einem Feiertag leicht negativ, aber nicht statistisch signifikant abweichend von der Rendite eines durchschnittlichen anderen Handelstags, sodass sie sich nicht mit dem deutlich negativen Montagseffekt gleichsetzen lässt.

VERSCHWUNDEN

Als letztes werden in der Studie saisonale Effekte in Verbindung mit Dividendenzahlungen untersucht, die in den USA normalerweise quartalsweise erfolgen. Dabei finden die Forscher heraus, dass die Dividendenrenditen im mittleren der jeweiligen drei Quartalsmonate höher ausfallen. Dieser Effekt verstärkte sich im Zeitablauf – während im Jahr 1941 noch 48 Prozent der Dividendenrenditen in mittleren Quartalsmonaten anfielen, waren es im Jahr 1981 rund 68 Prozent. Interessant ist zudem das in den damaligen Daten recht junge Phänomen, dass vor allem Montags hohe Dividendenrenditen anfielen. So wurden im Jahr 1981 insgesamt 42 Prozent der Dividenden an diesem Wochentag ausgezahlt. Allerdings ist der Effekt zu klein, um die bereits beschriebene, negative Montagsrendite zu erklären. Außerdem finden die Forscher vor allem in den älteren Daten den Effekt, dass die Unternehmen im Dezember mitunter eine Extradividende auszahlten. Dieses Muster scheint jedoch im Zeitablauf verschwunden zu sein – während im Jahr 1941 noch vier Dow-Unternehmen eine Sonderdividende im Dezember zahlten, war es im Jahr 1981 kein einziges.

FAZIT

Die Forscher untersuchen verschiedene saisonale Effekte und weisen positive Renditen in der Weihnachtswoche, um den Monatswechsel und vor Feiertagen nach, sowie negative Renditen am Montag. Einige Untersuchungen wie der Halbmonatseffekt fielen dagegen nicht statistisch signifikant aus und sind heute kaum noch bekannt.


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